Personelle Veränderungen im Vorstand des CSV

CSV-Redaktion: Hallo Torsten, uns ist zu Ohren gekommen, dass es personelle Änderungen in unserem Vorstand geben wird. Kannst du uns etwas dazu sagen?

Offensichtlich seid Ihr gut informiert oder habt besonders große Ohren ;-)

Aber nun im Ernst – ja, es gibt personelle Änderungen im Vorstand – die Änderung betrifft mich sogar selbst als 1. Vorsitzenden. Ich habe meine Vorstandskollegen und andere maßgebliche Leute im Verein darüber informiert, dass ich aus privaten und beruflichen Gründen kürzertreten muss und daher mein Amt ab sofort niedergelegt habe.

tb3CSV-Redaktion: Was bedeutet das genau? Wirst du dich „nur“ für eine bestimmte Zeit aus dem Vorstand zurückziehen oder ist das eine endgültige Entscheidung? Und hätte diese nicht noch etwas warten können, bspw. bis zur nächsten Jahreshauptversammlung im Frühjahr?

Ich habe darum gebeten, ca. ein Jahr Pause einzulegen. Ich hoffe in diesem Zeitfenster bestimmte sehr wichtige Punkte in meinem privaten und beruflichen Umfeld erledigt oder zumindest auf dem Weg gebracht zu haben. Möglichweise benötige ich dazu sogar etwas weniger Zeit. Aber dies alles bedarf einer sehr hohen Konzentration und Fokussierung.

Ein weiteres Abwarten bis zur Jahreshauptversammlung hätte meiner Ansicht nach Keinem weitergeholfen. Im Gegenteil – der Verein kann bis zur Jahreshauptversammlung die Zeit effektiv nutzen, um zum Beispiel einen neuen Vorsitzenden zu finden.

Außerdem sind meine Aktivitäten im privaten und beruflichen Bereich sofort gefordert und binden viel Zeit.

Im Oktober ist mein Schwiegervater plötzlich nach einer Krebserkrankung innerhalb von wenigen Wochen verstorben. Meine Frau und meine Familie brauchen mich nun besonders. Ohne die Unterstützung meiner Frau und Familie wären die letzten Jahre mit der intensiven Arbeit im Verein überhaupt nicht möglich gewesen. Jetzt bin ich gefordert ihnen etwas zurückzugeben. Die Familie ist neben meinem Glauben das Wichtigste in meinem Leben. Wenn es irgendwann einmal große Schwierigkeiten im Leben geben sollte, sind diese beiden Elemente diejenigen, die wirklich Halt geben.

Beruflich stehen wir gerade vor dem Umzug in neue (viel größere) Räumlichkeiten, unsere SAP-Partnerschaft steht vor einer wichtigen Bewährungsprobe und parallel dazu planen wir die Erweiterung unserer Unternehmensgruppe mit Tochterunternehmen in der Schweiz und Weißrussland. Mit der BIS GmbH & Co. KG stehen große Bauprojekte (Kesterkamp / Laarmannstraße und die „alte Schule“ an der Lindener Straße) an. Auf alle diese Punkte bezogen bin ich der Initiator und derjenige, dessen Aktivität hier besonders gefragt ist. Ich habe ein tolles Mitarbeiterteam! Nur dank der Leistung der Mitarbeiter in den Firmen habe ich die Freiräume gewinnen können, die vereinstechnisch notwendig waren. Die Firmen haben voll und ganz mein Engagement als Sponsor und ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter unterstützt. Hier gilt es jetzt, ähnlich wie im familiären Umfeld, ein Zeichen zu setzen und in einer sehr herausfordernden Phase tatkräftig dabei zu sein.

tb5CSV-Redaktion: Diese Entscheidung ist überraschend und wird eine Lücke im Verein hinterlassen. Wird dein Rücktritt negative Auswirkungen auf den Verein haben? Schließlich bist du nicht nur im Vorstand, du bist mit der CONCERTIS auch Sponsor, Unterstützer und Identifikationsfigur des Vereins…

Für meine Familie und einem engen Vertrautenkreis ist meine jetzige Entscheidung gar nicht so überraschend. Der Gedanke bewegte mich schon seit einigen Monaten. In den letzten beiden Wochen wurden die Gespräche dann noch einmal deutlich intensiviert, weil der Zeitpunkt für eine Entscheidung immer mehr angezeigt war und ich diesen Zustand – ich bezeichne ihn mal als „Schwebezustand“ – so kurz wie möglich halten wollte.

Nachdem mir dann alle Vorstandskollegen und weitere wichtige Mitstreiter ihr Verständnis für meine Situation und meine Beweggründe zurückgespiegelt hatten, war es am Ende nicht mehr ganz so schwer, diesen Schritt zu vollziehen.

Ich bin im Übrigen ja außerdem nicht komplett „aus der Welt“. Ich habe zwar keinerlei Vereinsfunktionen mehr inne, aber die „Pause“ bedeutet keinesfalls eine „Zahlpause“ als Sponsor.

Ich glaube aber ohnehin, dass mit den verbliebenden Vorstandskollegen und weiteren wichtigen Personen – ich nenne hier mal stellvertretend Axel, Bernd oder Sven – der Verein sehr gut aufgestellt ist und in allen Bereichen absolut handlungsfähig bleibt. Im sportlichen Bereich sind es nach wie Frank, Yildirim, Wojtek, Markus und Roland. In der Summe also eine Mannschaft, die in den letzten Jahren sehr erfolgreich gearbeitet hat.

Für mich war es ohnehin seit Jahren ein Ziel die Aufbauarbeit im Verein möglichst so zu gestalten, dass meine eigene Rolle mehr und mehr in den Hintergrund treten konnte. Ich bin daher davon überzeugt, dass keine wirkliche „Lücke“ entsteht. Im Gegenteil – häufig führt eine solche Situation zu einer Aufbruchstimmung und die verantwortlichen Personen rücken näher zusammen – neue Mitarbeiter werden gewonnen.

Festzuhalten ist, dass die CONCERTIS GROUP nach wie vor im gewohnten Umfang finanziell zur Verfügung steht. Wenn alles so wie geplant erfolgreich in der Firmengruppe verläuft, könnte es sein, dass wir dieses Engagement sogar noch weiter ausbauen können, wobei wir dann insbesondere langfristig ausgelegte Maßnahmen, wie den Ausbau der Infrastruktur und Jugend, im Blick haben werden.

Insofern ist eine Unterstützung weiterhin gegeben. Als Identifikationsfigur habe ich mich selbst nie gesehen – eher als Antreiber und Visionär.

tb2CSV-Redaktion: Gibt es noch etwas, dass du uns und den Mitgliedern mit auf den Weg geben möchtest?

Zunächst einmal möchte ich mich bei allen bedanken, die den bisherigen Weg ermöglicht haben und ihn auch so bis jetzt mitgegangen sind. Das ist in erster Linie im sportlichen Bereich Frank Benatelli gewesen. Unter seiner Regie sind mehrere Aufstiege gelungen und eine nie für möglich gehaltene sportliche Entwicklung. Das Spiel gegen Preußen Münster war hier der absolute Höhepunkt – ein Traum! Menschen wie Martin Spitzka und Ralf Dux waren in der Anfangsphase absolut wichtige Wegbegleiter. Ich will aber gar nicht so viel über die Vergangenheit reden – das würde sich zu viel nach Abschied oder Wehmut anhören.

Es geht um die Zukunft unseres Vereins und ich bin davon überzeugt, dass dann, wenn wir gemeinsam agieren und weitere Mitstreiter finden, die Zukunft gerade erst begonnen hat. Es geht darum den Verein auf Jahre gesehen sportlich konkurrenzfähig zu machen und in unserer Stadt richtig zu platzieren. Hier sollte meiner Meinung nach der Schwerpunkt für die nächsten Jahre liegen. Es muss eine solide Basis geschaffen werden, auf der wir langfristig aufbauen können. Dazu gehört eine adäquate Infrastruktur – die Verhältnisse sind bei uns aktuell in jeder Hinsicht katastrophal – und eine sehr gute Jugendarbeit – eigentlich Selbstverständlichkeiten, aber bei uns sind wir leider davon trotz großer Anstrengungen weit entfernt. In den letzten Jahren ist diese Kluft sogar immer noch größer geworden. Wir sind auf den Punkt Infrastruktur bezogen nach wie vor noch auf den gleichen Stand wie vor 8 Jahren und das bedeutet in diesem Fall einen großen Rückschritt, denn andere Vereine haben sich erheblich weiterentwickeln können. Wir eben nicht! Auf die Punkte kann ich an dieser Stelle aus zeitlichen Gründen nicht im Detail eingehen. Das würde den Rahmen sprengen, aber bisher liefen unsere andauernden Bemühungen zum Bau eines Kunstrasens eher ins Leere bzw. erzielten nie die erhoffte Wirkung.

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Eine Landesligamannschaft kann man unter solchen Voraussetzungen eigentlich nicht dauerhaft stellen oder betreiben. Wir haben uns in den letzten Jahren über die Maßen gut etablieren können, aber dies war immer mit sehr großen Kraftanstrengungen verbunden. Ich meine, dass wir es als Verein wirklich verdient hätten, einmal „belohnt“ zu werden oder Anerkennung zu finden.

Neben dem sportlichen Bereich hatten wir wiederholt versucht christlich-soziale Projekte zu initiieren oder durchzuführen. Wir sind in der Flüchtlingsarbeit sehr aktiv, arbeiten aktuell mit der TKS zusammen (Fußball AG), haben zwei Stellen für ein freiwilliges soziales Jahr eingerichtet und vieles mehr. Durch Spenden haben wir die Hospizarbeit in Bochum unterstützt oder die integrative Matthias-Claudius-Schule. Eine Zeit lang haben wir kostenlose Ferienfußballcamps für Kinder durchgeführt und auch bestimmten Personengruppen besondere Hilfen angeboten.

Auf den letztgenannten Punkt hätte ich mir noch deutlich mehr gewünscht. Hier waren wir aber auch zu Anfang selbst in einer Lernphase und teilweise an der Grenze zur Überforderung, denn diese Projekte mussten noch zusätzlich zum „normalen Spiel- und Vereinsbetrieb“ geschultert werden.

tb1CSV-Redaktion: Torsten, vielen Dank für deine Offenheit. Wir wünschen dir von Herzen alles Gute.

Ich habe zu danken! Für das Vertrauen, dass andere Menschen mir geschenkt haben und insbesondere für die zuletzt sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Anke, Dieter und Uwe im geschäftsführenden Vorstand! Ich wünsche dem Verein in den nächsten Monaten viel Glück und Erfolg. Im Moment läuft es sportlich gesehen bei der 1. Mannschaft nicht wie erhofft, aber allen Beteiligten war klar, dass die neue Spielzeit aus unterschiedlichen Gründen eine große Herausforderung darstellen würde. Noch haben wir aber alles selbst in der Hand und können das Saisonziel Klassenerhalt nach wie vor erreichen. Ich hoffe, dass wir morgen dazu einen wichtigen Schritt unternehmen können und wünsche allen Teams viel Erfolg!

 

Das Interview mit Torsten Berger wurde am 26.11.16 geführt. Die einzelnen Fragen wurden von Jan Vordenbäumen aus dem CSV-Redaktionsteam verfasst.

Fotos: Now & forever by petra mittelstaedt

 

2016-12-05T14:21:01+00:00 Sonntag, 27. November 2016|News, Senioren|
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